Exkursion der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz e.V. in das Gebiet des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland

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Exkursionen und andere Veranstaltungen der NfGOL
Veranstaltungstitel
Exkursion der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz e.V. in das Gebiet des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland
Datum

Die Bus-Exkursion 2013 der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz e.V., die im Zusammenhang mit der Jahrestagung 2013 stand, führte am 16.06.2013 in das Gebiet des Naturschutzgroßprojektes (NGP) Lausitzer Seenland. In diesem hat sich die Lausitzer Seenland gemeinnützige GmbH zur Aufgabe gemacht, typische Ausschnitte der Bergbaufolgelandschaft in der Lausitz großflächig sowie langfristig zu sichern und naturgemäß zu entwickeln.


  Teilnehmer am Aussichtspavillon am Bergener See.
 Foto: Christine Brozio

In Bergen begrüßte Herr Dr. Alexander Harter, der Leiter der Geschäftsstelle der Lausitzer Seenland gGmbH, die 40 Teilnehmer. Nach einer kurzen Fahrt zum Aussichtsichtpavillon am Bergener See erfolgte durch ihn die Einführung in das Naturschutzgroßprojekt.

Die Teilnehmer erfuhren wissenswertes zur Geschichte des Alttagebaues Spreetal, zum Schutzgebietskonzept des NGP, zu den Zielstellungen des Projektes (Biotopmanagement, Erhaltung von Offenlandarealen mit Schafen, Prozessschutz, ökolog. Waldumbau) und zu dessen die Zielarten. Desweiteren wurden am Beispiel des Bergener Sees die naturschutzfachliche Charakterisierung eines jungen Bergbaufolgegewässers erläutert und die Geländeeinbruchsgefahren von Innenkippen im Lausitzer Revier und im Kerngebiet des NGP sowie deren Folgen für das Naturschutzgroßprojekt thematisiert.

Im Anschluss ging es zum Alttagebau Laubusch, dem heutigen Erikasee.
In dessen Umfeld wurden an drei Beispielen konkrete Maßnahmen vorgestellt, welche durch die Lausitzer Seenland gGmbH durchgeführt werden.


Beispiel 1 - ökologischer Waldumbau:
Erläuterungen zur Entwicklung von lausitztypischen Mischwäldern am Beispiel eines 30 jähriger Kiefernforstes mit Voranbau von Traubeneichen und Winterlinden, Vorstellung von Waldbaulicher Praxis, zielbaumorientierter Auslesedurchforstung, Wildschutzzaunbau und Wildtiermanagement


Beispiel 2 - Offenlandmanagement:
Erläuterungen zur Beweidung von ehemaligen Energieleitungstrassen zwecks Erhaltung und Entwicklung von Magerweiden, Vorstellung von botanischen Besonderheiten wie Mond-Raute (Botrychium lunaria) und Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris)


Beispiel 3 - Feuchtwiesenpflege und Wiedervernässung von mageren Pfeifengraswiesen ("Feuchtheide"):
Erläuterung praktischer Erfahrungen und Probleme, Vorstellung von botanischen Besonderheiten wie Arnika (Arnica montana), Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica), Färber-Ginster (Genista tinctoria), Glocken-Heide (Erica tetralix), Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) und Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris)

Nach dem Mittagessen im Gasthof zum Anker in Klein-Partwitz und einem kurzen Zwischenstopp in Bluno am Blunoer Südsee, mit Ausführungen zu Historie und Wandel sorbischer Siedlungen durch den Braunkohlenabbau, folgten Erläuterungen zur Problematik der Erhaltung von bergbaufolgelandschafttypischen Landschaftsstrukturen im NGP vs. bergbauliche Gefahrenabwehr und Herstellen der geotechnischen Standsicherheit am Beispiel der Schreitbagger-Überhöhen.

Den Abschluss der Exkursion bildete der Besuch der "Terra Nova" der Landschafts-, Nutz- und Wildtierpflege GmbH an ihrem neuen Standort am "Schacht 10-Spreetaler See". Der Geschäftsführer Dr. Mario Stenske stellte den Landwirtschaftsbetrieb und seine Betriebszweige vor. Der Betrieb, der wegen der allgemeinen Geländeeinbruchsgefahr aus dem Innenkippenareal an den Rand des ehemaligen Braunkohlenabbaugebietes umsiedeln musste, arbeitet eng mit der Lausitzer Seenland gGmbH auf den Gebieten Naturschutz, investiver Artenschutz und Naturtouristik zusammen. Der Landwirtschaftsbetrieb hat seinen Schwerpunkt in der Bergbaufolgelandschaft und bewirtschaftet seit 1998 ca. 1.000 ha Kippengelände. Im Innenkippenbereich bzw. Kerngebiet des NGP werden ganzjährig Großherbivoren wie Wildpferde, Galloways und Heckrinder gehalten. Ein weiterer Betriebszweig ist die Lohnschäferei für das NGP zwecks Beweidung von Waldweiden.

Die Teilnehmer und der Vorstand der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz e.V. bedanken sich an dieser Stelle bei Herrn Dr. Harter und Herrn Dr. Stenske ganz herzlich. Durch ihre Unterstützung und ihre Ausführungen war es ein rundum gelungener Exkursionstag von dem viele neue Eindrücke und ein Zuwachs an Wissen mit nach Hause genommen werden konnte.

Kerstin Tschiedel


► Link zur Homepage der Lausitzer Seenland gGmbH: http://www.ngp-lausitzerseenland.de/

Mond-Rautenfarn
Mondrautenfarn (Botrychium lunaria). Foto: Christine Brozio
Arnika
Arnika (Arnica montana). Foto: Christine Brozio
Orchideenwiese
Orchideen auf der Feuchtwiese am Erikasee. Foto: Christine Brozio
Bergener See, im Hintergrund Braunkohlenkraftwerk Boxberg
Blick auf den Bergener See, Bergbaufolgelandschaft und Kraftwerk Boxberg. Foto: Kerstin Tschiedel