Nachruf Manfred Jeremies

Am 13.12.2017 ist Manfred Jeremies plötzlich und vollkommen unerwartet verstorben. Er war ein aktives Mitglied in der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz und hat seit über 20 Jahren die Fachgruppe Geologie des Oberlausitzer Berglandes in der Gesellschaft geleitet. Dieses Interesse hat bei Manfred Jeremies eine sehr lange Vorgeschichte und hat ihn seit seiner frühesten Jugend entscheidend geprägt und ausgezeichnet. So interessierte er sich naturkundlich besonders für die Region, insbesondere für die Geologie und die Botanik, aber auch die Welt der Insekten. Schwerpunkt war dabei stets das Oberlausitzer Bergland, wo er seit seiner Kindheit in Weigsdorf-Köblitz zu Hause war, auch das Schluckenauer Hügelland im tschechischen Teil schloss er stets mit ein. Das ist nicht selbstverständlich, oft hören die Aktivitäten an der Staatsgrenze auf. Nicht aber bei Manfred Jeremies, der, um diese Grenze zu überwinden, sehr früh und selbstständig die tschechische Sprache erlernte. Behilflich waren ihm dabei vor allem Kontakte zu Gleichgesinnten jenseits der Grenze. Dies führte zum Beispiel dazu, dass er 2010 die 20. Jahrestagung der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz in šluknov (Schluckenau) in Tschechien organisierte, an der fast 100 Besucher teilnahmen, darunter ein Drittel Tschechen. All dieses Engagement für die Naturkunde seiner Heimat erfolgte rein ehrenamtlich, beruflich hat er als Maurer und später nach einem Fernstudium als Agraringenieur gearbeitet und war nach der Wende im behördlichen Naturschutz, vor allem in Bautzen, tätig. Charakteristisch für seine naturkundlichen Studien waren intensive Sammeltätigkeiten und damit einhergehend die systematische Erfassung von Pflanzen, Steinen/Fossilien bzw. Mineralen und Insekten. Zu nennen sind da besonders die Flechten und Moose, aus diesem Grund gehört das Cunewalder Tal zu einem der am besten dokumentierten Gebiete Deutschlands. Weiterhin konnte er für das Gebiet über 400 Pilze nachweisen und hat drei Publikationen über die Bremsenfauna der Oberlausitz mit 30 nachgewiesenen Arten verfasst. Darunter auch 9 Arten, die „für Mensch und Tier lästig werden können“ (Jeremies, 1984). Aber auch die unbelebte Natur interessierte Manfred Jeremies sehr. So gründete er mit 12 weiteren Enthusiasten 1983 im Kulturbund der DDR den „Arbeitskreis Geologie im Kreis Löbau“, der heute als regionaler Fachzweig in der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz fortbesteht. Im Rahmen des Arbeitskreises legte Manfred Jeremies zahlreiche geowissenschaftliche Spezialsammlungen an, z. B. aus zahlreichen Kiesgruben des Oberlausitzer Berglandes. Gerade die aus Skandinavien stammenden Geschiebe waren sein Steckenpferd, wodurch er viele Kontakte zu in- und ausländischen Fachleuten pflegte und die Oberlausitz als eines der südlichsten Vereisungsgebiete überregional bekannt machte.

Manfred Jeremies hat durch seine Sammlungen, seine Publikationen und seine vielen Kontakte zu Gleichgesinnten und Fachleuten ein großes Vermächtnis hinterlassen. Die Naturkundler der Oberlausitz und ganz sicher viele darüber hinaus trauern um Manfred Jeremies. Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein Fachmann besonders für die Naturkunde des Oberlausitzer Berglandes beiderseits der Grenze, der immer bescheiden, aber mit Freundlichkeit, verstecktem Humor und offen auf die Menschen zuging.

 

Görlitz, den 16.12.2017

Olaf Tietz und Karl-Heinz Zimmermann


Die Beerdigung von Manfred Jeremies erfolgt am 28.12.17 um 13 Uhr in der Friedhofskapelle von Cunewalde (nahe der Kirche). Anschließend öffnet die "Kleene Schenke", der Versammlungsort der FG Geologie der NfGOL, für einen Kaffee. Weiterhin wird Manfred Jeremies am 19.12.17 von 14 Uhr bis 15 Uhr im Beerdigungsinstitut in Bautzen aufgebahrt (Bestattungsunternehmen Schröder, Wallstraße 16), damit man von ihm Abschied nehmen kann.

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